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Krimischreiben in Italien – die erste Krise an Tag 3

16 September 2012,   Von ,   1 Kommentare

Heute ging es richtig mit Theorie los, nämlich mit einer kurzen Geschichte der Kriminalliteratur und einem Genreüberblick. Angefangen hat alles mit den Kriminalfall-Sammlungen von François Gayot de Pitaval. Die erste echte Kriminalgeschichte stammt von Friedrich Schiller, danach folgten Heinrich von Kleist, E.T.A. Hoffmann und Edgar Allan Poe. Das Genre der Kriminal- und Detektivromane wurde dann vor allem im angelsächsischen Raum geprägt, von Sir Arthur Conan Doyle und Agatha Christie, während Kriminalromane in Deutschland lange Zeit einen schlechten Ruf als Schund hatten. In den USA wurde das Genre schließlich stilbildend und auch in Frankreich sehr erfolgreich. In den 70er Jahren kamen aus Schweden neue Ansätze, vor allem mit den hochspannenden und gesellschaftskritischen Romanen von Sjöwall/Wahlöö. Schwedische Kriminalromane sind bis heute am erfolgreichsten.

Welches Genre passt zu mir?

Bevor man Hals über Kopf mit einem Kriminalroman loslegt, sollte man die Untergenres kennen und sich auch schon ungefähr überlegen, was man da eigentlich schreiben möchte. Es gibt klassische Polizeiromane, Detektivromane, Thriller, den Roman Noir, Psychokrimis, Agententhriller, Ethnokrimis, Regionalkrimis und Historische Krimis. Diese Genres sind sich teilweise strukturell ähnlich, können sich überschneiden und haben auch selbst wieder Untergenres. Wenn man beispielsweise mehr am Seelenchaos seiner Hauptfiguren interessiert ist, als an möglichst vielen unerwarteten Wendungen bis zur Lösung des Falls, dann bietet sich eher ein Psychokrimi an, wenn es eine Geschichte ohne moralisierende Auflösung werden soll, in der am Ende die Welt überhaupt nicht in Ordnung ist, wird es vermutlich ein Roman Noir. Grundsätzlich sollte man sowieso genau wissen, wessen Geschichte man eigentlich erzählen will und was der zentrale Konflikt des Romans ist, damit man sich nicht völlig verzettelt.

Dramaturgie und Spannung

Nach dem Mittagessen ging es mit der „Architektur“ von Texten weiter. Sowohl Tragödien als auch Komödien sind immer nach einer grundsätzlichen Struktur konstruiert: in der Exposition werden die zentralen Figuren und der Handlungsraum vorgestellt, dann gibt es einen Auslöser, den Konflikt, der zu einer dynamischen Entwicklung führt, diese Entwicklung spitzt sich zu, bis am Ende der Konflikt in einer überraschenden Wendung aufgelöst wird. Die Strecke vom Auftauchen bis zur Lösung des Konflikts generiert die Spannung.

Das klingt theoretisch alles ganz einfach, aber sich einfach mal so einen spannenden Plot aus dem Ärmel zu schütteln, ist dann doch etwas ganz anderes. Um es uns ein bisschen leichter zu machen, hatten die Dozenten ein „Miss-Marple-Schema“ mitgebracht. In einer Tabelle sind verschiedene Funktionsrollen von Figuren eingetragen, die man mehr oder weniger willkürlich miteinander verbinden kann. So konstruiert man ganz schnell eine Grundlage für einen klassischen Whodunit-Rätselkrimi, in dem beispielsweise der Mörder gleichzeitig der Zeuge ist, das Mordopfer auch vom Mord profitiert und der Ermittler zum Hauptverdächtigen wird. Nach diesem Schema erstellten wir in Zweiergruppen in 15 Minuten Arbeitszeit kurze Exposés, die alle erstaunlich gut gerieten. Wenn man weiß, wer was getan hat, ist es viel einfacher, sich dazu Vorgeschichten und Beweggründe auszudenken.

Warum eigentlich?

Zum Abschluss des Tages empfahlen die Dozenten noch, uns selbst die Frage zu stellen, die jeder Autor hasst: „Warum schreiben Sie eigentlich?“ Wenn man selbst nicht weiß, was die Geschichte für einen selbst wichtig macht und wo das eigene Interesse daran liegt, wird man nämlich auch niemals jemand anderen dafür begeistern können.

Meine ersten Kurzgeschichtenentwürfe gefallen mir nach allem was wir heute gelernt haben überhaupt nicht mehr. Ich kann den grundsätzlichen Konflikt nicht wirklich benennen, mir erscheinen die Wendungen unplausibel und ich kann die Handlung selbst nicht logisch nachvollziehen. Außerdem finde ich keinen richtigen Schluss. Heute Nacht will ich versuchen, die Geschichte radikal zu verkürzen und mich nur auf die wesentlichen Figuren zu konzentrieren. Aber zuerst gehen wir nach dem Essen noch zusammen in Farneses „Rokkabar“ und testen die Cocktails des erstaunlich begabten Barkeepers Lidano, und das obwohl noch niemand besonders weit mit seiner Kurzgeschichte gekommen ist.

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1 Kommentar:

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