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Ein Leben im Flow Teil 3: Flow und Motivation

18 Mai 2012,   Von ,   0 Kommentare

Im letzten Blog gab es einen kleinen Exkurs in die Motivationspsychologie. Hier wurde geklärt, dass man zwei unterschiedliche Formen der Motivation unterscheiden kann – intrinsische vs. extrinsische Motivation. Es ist wichtig diese Begriffe zu kennen, da das Flow-Erleben in Zusammenhang mit der intrinsischen Motivation steht. In welchem Zusammenhang kläre ich jetzt:

Wir haben gelernt, wenn wir irgendeine Handlung (z.B. Musizieren, Skifahren) um ihrer Selbst willen ausführen liegt unser Anreiz zur Handlung in der Tätigkeit selbst – wir sind als intrinsisch motiviert. Eine Frage die dabei auftaucht ist: Wie entsteht intrinsische Motivation eigentlich bzw. warum bin ich zu manchen Handlungen intrinsisch motiviert und zu anderen nicht? Die meisten Leute in meinen Seminaren sagen „na ja, weil es halt Spaß macht“, worauf ich meist die Frage stelle: „und warum macht es Spaß“? Hier wird es dann spannend, es ist häufig gar nicht so leicht zu beantworten, warum einem eigentlich etwas Spaß, Freude oder Zufriedenheit bereitet. Stellt euch die Frage mal selbst!

Eine Antwort darauf bietet an dieser Stelle die Flow-Forschung. Wie im ersten Blog schon kurz beschrieben, ist Flow-Erleben ein besonders positiver affektiver (gefühlsmäßiger) Erlebenszustand der mit Freude, Mühelosigkeit und Zufriedenheit einhergeht. So konnte inzwischen vielfach experimentell nachgewiesen werden (z.B. Blomann, 2006; Keller & Bless, 2008, Keller & Blomann, 2008, Blomann, 2012), dass Flow-Erleben in bestimmten Tätigkeiten (bzw. Handlungen) intrinsische Motivation erzeugt. Sprich man erlebt z.B. Flow beim Skifahren, das führt dazu, dass man wieder Skifahren möchte. Oder man erlebt Flow beim Gitarre spielen, also will man immer wieder Gitarre spielen – und das ohne dafür besonderes Lob oder Belohnungen (ohne externen Anreiz).

Flow kann also intrinsische Motivation erzeugen, doch wie fühlt sich so ein Flow-Zustand überhaupt an? Was macht es aus, dass wir eine Aktivität im Flow als so toll empfinden, dass wir sie immer wieder ausführen wollen?

Wissenschaftlich betrachtet hat ein Flow-Erlebnis sechs Hauptkomponenten (Csikszentmihalyi, 1975). Diese Hauptkomponenten, oder man könnte auch sagen Merkmale des Flow-Erlebens, konnten in jahrelanger Forschung herausgefunden werden, indem eine Vielzahl von Personen zu ihrem Erleben und ihren Gefühlen in bestimmten flow-typischen Situationen befragt wurden. Aus den Beschreibungen der Untersuchungspersonen ließen sich dann die folgenden sechs Merkmale herauskristallisieren, die von den meisten Befragten immer wieder genannt wurden.

Ein Flow-Zustand äußert sich bei einer Aktivität in reinster Form durch folgendes Erleben (Csikszentmihalyi, 1975; Rheinberg, 2002):

  1. Handlungsanforderungen und Rückmeldungen werden als klar und interpretationsfrei erlebt, so dass man jederzeit und ohne nachzudenken weiß, was jetzt zu tun ist.
  1. Man fühlt sich optimal beansprucht und hat auch bei hohen Anforderungen das sichere Gefühl, das Geschehen noch unter Kontrolle zu haben.
  1. Der Handlungsablauf wird als glatt erlebt. Ein Schritt geht flüssig in den nächsten über, als liefe das Geschehen gleitend wie aus einer inneren Logik ab (= Flow).
  1. Man muss sich nicht willentlich konzentrieren, vielmehr kommt die Konzentration wie von selbst (wie die Atmung). Alle Kognitionen, die nicht unmittelbar auf die jetzige Ausführungsregulation gerichtet sind, werden ausgeblendet.
  1. Das Zeiterleben ist stark beeinträchtigt; man vergisst die Zeit und weiß nicht, wie lange man schon dabei ist. Stunden vergehen wie Minuten.
  1. Man erlebt sich nicht mehr abgehoben von der Tätigkeit, sondern geht vielmehr gänzlich in der eigenen Aktivität auf (Verschmelzen von Selbst und Tätigkeit).
    Es kommt zum Verlust von Reflexivität und Selbstbewusstheit  (es gibt keine ablenken Gedanken, wie z.B. „Ich schaffe das nicht…“.)

Wenn man eine Aktivität in dieser Art erlebt, kann man davon sprechen, dass man im Flow ist/war. Ein Zustand der diese Erlebensaspekte beinhalten macht uns Menschen Glücklich und Zufrieden und Motiviert uns (intrinsisch) ihn immer wieder erleben zu wollen.

Wichtig ist es an dieser Stelle zu erwähnen, Flow ist kein Entweder-oder-Zustand! Man kann stark  oder auch ein bisschen im Flow sein, je nachdem wie stark die einzelnen Erlebensmerkmale gerade vorhanden sind. Treffen die oben genannten Merkmale über eine längere Zeitspanne alle zu 100% zu, kann man von einem „Deep Flow“ Erlebnis sprechen (oft z.B. bei Bergsteigern, Musikern, Chirurgen oder auch beim Sex anzutreffen). Es gibt aber auch Flow-Erlebnisse die bei ganz normalen Alltagsaktivität auftreten, wie z.B. beim Lösen eines Rätsels, beim Bügeln, beim Erstellen einer Präsentation oder beim Handwerken und und und ….

Flow-Erleben ist im Grunde in fast jeder Aktivität möglich, wenn bestimmte (Rand-) Bedingungen gelten. Das heißt eine Aktivität für mich bestimmte Rahmenbedingungen bietet, die mir ein Flow-Erleben ermöglicht. Wenn mir also bekannt ist, welche Bedingungen eine Tätigkeit bieten muss, damit ich darin Flow-Erleben kann, bin ich jederzeit in der Lage entweder meine Aktivitäten so zu wählen, dass ich Flow-Erlebe oder bei bereits vorhandenen, evtl. auch verpflichtenden, Aktivitäten (z.B. Arbeit) die Bedingungen so zu ändern, dass mir ein Flow-Erleben möglich wird.

Was die Bedingungen des Flow-Erlebens sind und wie man einen Flow herbeiführen kann, verrate ich in meinem nächsten Blog.

Seminare und Vorträge zum Thema Flow

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