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Ein Leben im Flow Teil 2: Exkurs zur Motivationspsychologie

04 April 2012,   Von ,   7 Kommentare

Da die Flow-Theorie in den Bereich der Motivationspsychologie einzuordnen ist und in engem Zusammenhang mit intrinsischer Motivation steht gibt es in diese Blog einen kleinen Exkurs zu diesem Thema.

Definition intrinsische vs. extrinsische Motivation

Verhalten ist entweder

von innen heraus, um seiner selbst willen (intrinsisch), oder

von außen (extrinsisch), durch Zuschreibung auf externe Verhaltensfolgen in Form von Anreizen (Belohnung oder Bestrafung)

motiviert.

 

Und jetzt noch mal auf Deutsch:

Wenn der Grund für mein Handeln darin besteht, dass ich etwas einfach gerne mache, weil es mir Spaß bereitet oder Zufriedenheit verschafft, dann bin ich intrinsisch Motiviert dies zu tun. Der Anreiz etwas zu tun liegt also nicht in einer externen Belohnung, sondern in der Ausführung der Tätigkeit selbst. Der Wissenschaftler Rheinberg (1989) spricht deshalb anstatt von intrinsischer Motivation auch von Tätigkeitszentrierten Anreizen (siehe Schematische Darstellung unten).

Beispiele wären Fußballspielen, Wandern, Musizieren, Klettern, Skifahren, usw. Gerade das Skifahren ist in meinen Seminaren eines meiner Lieblingsbeispiele für eine intrinsisch motivierte Tätigkeit. Wir Skifahrer bezahlen einen haufen Geld dafür nur um von einem Berg ins Tals zu schliddern. Und warum? Einfach weil das Fahren den Berg hinunter Freude macht.

Bei extrinsisch motivierten oder in den Worten Rheinbergs (1989) zweck(folge)zentrierten Tätigkeiten handeln wir, weil wir etwas dafür bekommen. Das kann z.B. ein Lohn für Arbeit, Anerkennung durch andere, aber auch die Vermeidung von Strafe sein. Z.B. geht ein Kind evtl. in die Schule, weil es negative Folgen hat, wenn es dies nicht tut.

Wichtig ist, dass eine Tätigkeit natürlich nicht zwingend entweder intrinsisch oder extrinsisch Motiviert sein muss und dass es für den einen etwas intrinsisch und für den anderen extrinsisch motiviert ist. Z.B. kann mir meine Arbeit für die ich Geld bekomme trotzdem auch häufig Spaß machen. Oder ein professioneller Skifahrer fährt mit Sicherheit nicht immer nur aus Freude Ski, sondern manchmal auch nur um Geld zu verdienen. Genauso kann ich Joggen gehen, weil ich dabei toll abschalten kann und sich bei mir ein Gefühl von Zufriedenheit einstellt oder einfach nur aus gesundheitlichen Gründen um abzunehmen (extrinsisch im Sinne der Vermeidung von Schäden oder auch um besser auszusehen).

 

Ich hoffe in diesem Exkurs ist klar geworden was man in der Psychologie unter extrinsischer und intrinsischer Motivation versteht, denn dies ist wichtig um die Flow-Theorie besser einordnen zu können. Im nächsten Blog wird es darum gehen, was man praktisch unter einem Flow-Erlebnis versteht und warum der Flow ein erstrebenswerter Zustand ist.

Seminare und Vorträge zum Thema Flow

 

 

7 Kommentare:

  1. Simone sagt:

    Ich wollte nur mal kurz loswerden: Ich die Flow-Beiträge sind total klasse! Ich freue mich schon auf den Nächsten (Falls es einen gibt).

    Liebe Grüße
    Simone

  2. Marko Huemer sagt:

    Dieser Artikel ist grandios! Endlich jemand der etwas davon versteht! Gratulation. Habe diese Webseite grade in meine Favoriten gelegt!

    Hier habe ich euch einen sehr interessanten Artikel zum Thema Motivation geschrieben: https://www.markohuemer.com/entry/motivationspsychologie-ist-der-schluessel.html

    alles liebe
    Marko Huemer

  3. Frederik sagt:

    Danke für den netten Kommentar! Kommt leider etwas verspätet, da ich erst jetzt gesehen haben. Nach dem Aufbau meiner neuen Seite http://www.mein-entwicklungsraum.de geht es demnächst auch weiter mit neuen Artikeln zum Thema Flow.

    Viele Grüße

    Frederik Blomann

  4. Tino Liebusch sagt:

    Ich nehme an die Frage kann ich mir selbst beantworten, aber gibt es bereits langzeit Studien zu den Folgen von einem Leben im „Flow“.

    Ich beschäftige mich derzeit intensiv mit Gamification und auch in diesem Gebiet scheint die Weitsicht nicht bei jedem Experten vorhanden zu sein.

    Ich bin seit 14 Jahren aktiver Gamer und kenne den Flow Effekt und seine guten und aber auch schlechten Effekt aus eigener Erfahrung (insbesondere nach mehreren Jahren). Viele Bekannte scheuen sich vor ganzen Gamegenres, weil sie es mittlerweile hassen in den Flow Zustand zu kommen. Ein Effekt ist ja schließlich auch, dass Zeit im Flow an Bedeutung verliert. (Aaron Dignam erwähnt die Theorie, dass Dopamine unser Zeitgefühl beeinflusst und die unnatürliche Ausschüttung im Flow Zustand dazu führt, dass wir unser Zeitgefühl verlieren).

    • Frederik sagt:

      In der Tat werden von der Computerspielindustrie bewusst Flowauslösebedingungen in die Spiele mit eingearbeitet (z.B. Passungserleben). Zur experimentellen Erforschung des Flow-Erlebens in meiner früheren Forschergruppe nutzten wir eine Modifikation des Computerspiel Tetris um bei Versuchspersonen Flow zu induzieren. Im Rahmen meiner Promotion habe ich hier auch Studien durchgeführt, die zeigen, dass Flow-Erleben ein für den Menschen, physisch gesehen, dem Stress ähnlicher Zustand ist. Auf Stressparametern wie dem Hormon Cortisol oder der Herzratenvariabilität zeigen sich beim Flow-Erleben ähnliche Werte wie bei Überforderungszuständen. Die Ergebnisse würden vermuten lassen, dass zuviel Zeit im Flow zu verbringen nicht unbedingt gesund ist. Zudem besteht bei tiefen Flow-Erlebnissen auch immer ein Suchtgefahr (siehe Gamer, Leistungssportler, etc.). Aber dies sind natürlich extreme, aus psychischer Perspektive zeigen widerum viele Studien, dass Menschen die regelmäßige Flow-Erlebnisse berichten, höher Lebenszufriedenheit und eine bessere Gesundheit aufweisen.

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